{"id":9355,"date":"2011-10-08T11:40:10","date_gmt":"2011-10-08T11:40:10","guid":{"rendered":"https:\/\/mechitharisten.org\/die-literarische-taetigkeiten-der-mechitharisten\/"},"modified":"2011-10-08T11:40:10","modified_gmt":"2011-10-08T11:40:10","slug":"die-literarische-taetigkeiten-der-mechitharisten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mechitharisten.org\/de\/german-articles\/die-wiener-mechitharisten\/die-literarische-taetigkeiten-der-mechitharisten\/","title":{"rendered":"Die Literarische T\u00e4tigkeiten der Mechitharisten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sprachliche Erneuerung<\/strong><\/p>\n<p>Anfang des 18. Jhdts. war die altarmenische Sprache, noch immer die alleinige Schriftsprache, nicht nur stark von fremden Sprachen beeinflu\u00dft, sondern auch durch den allgemeinen Bildungsverfall ganz entstellt worden.<\/p>\n<p>Eine geordnete, grammatisch richtige und klare Sprache war aber Voraussetzung f\u00fcr erfolgreiche geistige Entwicklung und Bildung. Die Umgangs- oder neue armenische Sprache hatte sich noch nicht zur Schriftsprache entwickelt und war noch stark mit fremden W\u00f6rtern durchsetzt. Deshalb das Gebot der Stunde: R\u00fcckkehr zum klassischen Altarmenisch.<\/p>\n<p>Mechithar hatte selber eine altarmenische Grammatik, wie auch das erste armenische W\u00f6rterbuch verfa\u00dft.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter verfa\u00dften die Mechitharisten-Patres (Tschamtschian, Avetikian, Tschalekhian, Bagratuni) neue, immer verbessertere Grammatiken. 1836-37 erschien in Zusammenarbeit der Patres Awetikian, S\u00fcrmelian und Awgerian, das monumentale Werk: \u201eDas neue W\u00f6rterbuch der armenischen Sprache.&#8221;<\/p>\n<p>Gleichzeitig bem\u00fchten sich die Mechitharisten-Patres in allen ihren Schriften die Sprache sorgf\u00e4ltig zu erneuern.<\/p>\n<p>Den entscheidenden Schritt machten aber junge Patres, allen voran P Joseph Katerdjian, in Wien. Mit kritischem Geist und in eifrigen Studien entdeckten sie die klassische altarmenische Sprache in ihrer reinen Form und ihrem vollen Glanz, bestimmten den Zeitabschnitt, in dem sie als lebende Sprache verwendet worden war, n\u00e4mlich die erste H\u00e4lfte des 5. Jhdts., und nannten ihn goldene Epoche der armenischen Sprache. Wenn auch diese klassische Sprache nicht mehr lange als Schriftsprache gebraucht wurde, ist diese Entdeckung von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Armenologie, besonders f\u00fcr textkritische Untersuchungen.<\/p>\n<p><strong>Herausgabe Altarmenischer Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Schon Mechithar begann mit der Herausgabe praktischer altarmenischer Schriften, um den dringenden Bedarf an Literatur zu decken. Im Laufe der Zeit haben die Mechitharisten, trotz gro\u00dfer finanzieller Schwierigkeiten, in systematischer Arbeit; zahlreiche Schriften ver\u00f6ffentlicht. Diese beinhalten die ununterbrochene Reihe der armenischen Geschichtsschreibung, philosophisch-theologische Themen und Werke ber\u00fchmter Autoren von der heidnischen und christlichen Welt.<br \/>\nSp\u00e4ter folgten auch kritisch-wissenschaftliche Studien zur armenischen Geschichte.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung Klassischer Weltliteratur <\/strong><\/p>\n<p>Um bei der \u00d6ffentlichkeit Geschmack an der sch\u00f6nen Literatur zu erwecken, haben die Mechitharisten-Patres eine ganze Reihe bekannter Werke aus der Weltliteratur ins Armenische \u00fcbersetzt. Es sind Werke altgriechischer, lateinischer, italienischer, franz\u00f6sischer, deutscher und englischer Klassiker. Unter den \u00dcbersetzern sind besonders zu erw\u00e4hnen: P A. Bagratuni und Erzbischof H\u00fcrm\u00fcz.<\/p>\n<p><strong>F\u00f6rderung der Neuarmenischen Sprache <\/strong><\/p>\n<p>Mechithar hatte bereits neben der altarmenischen auch eine neuarmenische Grammatik verfa\u00dft, wie auch einen Katechismus in neuarmenischer Sprache. Nachfolger hatten lange Zeit das Neuarmenische vernachl\u00e4ssigt, aber nicht ohne Grund.<br \/>\n1799 ver\u00f6ffentlichte P L. Indjidjian die \u201eJahreschronik\u201c, die erste Zeitschrift in neuarmenischer Sprache, die er sp\u00e4ter unter anderem Namen bis 1820 fortsetzte.<\/p>\n<p>In der ersten H\u00e4lfte des 19. Jhdts. erschienen in Wien und Venedig viele Schulb\u00fccher, manche in Alt-, andere in Neuarmenisch. 1843 wurden in Venedig die Monatsschrift \u201eBazmavep\u201c, und 1847 in Wien die Wochenschrift \u201eEuropa\u201c, beide in neuarmenischer Sprache ver\u00f6ffentlicht. Diese Schriften haben viel zur Entwicklung der Neuarmenischen beigetragen.<\/p>\n<p>Eine entscheidende Rolle spielte dabei \u201eDie Kritische Neuarmenische Grammatik\u201c (1866) von P Arsen Aydinian. Dank dieser Studie von P Aydinian setzte sich das Neuarmenische als Schriftsprache durch.<\/p>\n<p><strong>Armenologisch-Philologische T\u00e4tigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Verdienste erwarb sich die Mechitharisten-Congregation durch ihre philologische T\u00e4tigkeit. Diese umfa\u00dft alle Bereiche der Armenologie: Sprache, Geschichte, Geographie, Arch\u00e4ologie, Kirchengeschichte, Literaturgeschichte, Architektur, Wissenschaft und Kunst.<\/p>\n<p>Noch im 18. Jhdt. ver\u00f6ffentlichte P M. Tschamtschian sein umfangreiches, dreib\u00e4ndiges Werk \u201eDie Geschichte der Armenier&#8221;. Mit der Geographie Armeniens besch\u00e4ftigte sich P L. Indjidjian\u201e Detaillierte Beschreibung Altarmeniens&#8221; und \u201eAltertumskunde Armeniens\u201c sind seine bedeutenden Schriften. Die unz\u00e4hligen Studien von P. Levon Alischan umfassen fast alle Disziplinen der Armenologie.<\/p>\n<p>Die erw\u00e4hnten Werke waren verst\u00e4ndlicherweise noch im naiven Glauben an die Traditionen gebunden. Mitte des 19. Jhdts. erwachte aber in Wien der kritische Geist, der durch die Entdeckung des klassischen Armenisch noch verst\u00e4rkt wurde. Mit diesem kritischen Geist untersuchte P J. Katerdjian die armenische Geschichte und in seiner dreib\u00e4ndigen \u201eWeltgeschichte\u201c behandelte er als erster auch die armenische Geschichte innerhalb der Weltgeschichte.<\/p>\n<p>Eine intensive philologische T\u00e4tigkeit setzte mit der Zeitschrift \u201eHandes Amsorya\u201c 1887, -in Wien ein. Auch die Zeitschrift \u201eBazmavep\u201c, die schon seit 1843 in Venedig ver\u00f6ffentlicht wurde, angespornt von Handes Amsorya, entwickelte sich mehr und mehr in philologischer Richtung. Beide Zeitschriften, die auch heute erscheinen, haben gro\u00dfartige Leistungen in diesem Bereich gebracht.<\/p>\n<p>Schon 1906 dr\u00fcckt der deutsche Armenist Franz Nik. Fink seine Bewunderung \u00fcber diese Leistung der Mechitharisten aus: \u201eEine gewaltige philologische T\u00e4tigkeit ergriff Platz, und Europa erhielt jetzt erst einen tiefen Einblick in das Leben des armenischen Geistes, wurde jetzt erst in den Stand gesetzt, den Reichtum seiner literarischen Sch\u00e4tze zu \u00fcbersehen. Geschichtsschreibung, Altertumskunde, Geographie, Grammatik, Lexikographie und Literaturgeschichte wurden r\u00fchrig, ja, mit bahnbrechender Energie betrieben, und die in den Handschriften geborgenen Werke der Vergangenheit wurden der Welt zug\u00e4nglich gemacht. In dieser Philologent\u00e4tigkeit liegt der Mechitharisten unbestreitbarer, dauernder Verdienst (Die Armenische Literatur, 1906).<\/p>\n<p>Auch die gesamte armenische Intelligenz, ohne Unterschied der Weltanschauung, hat zu jeder Zeit, die gleiche Bewunderung und Anerkennung den beiden Mechitharisten<!--test-->Congregationen in Wien und Venedig, als armenischen Kulturinstituten, gezollt.<br \/>\nWir wollen hier einen armenischen Schriftsteller zitieren: \u201eDie Mechitharisten, beeinflu\u00dft unmittelbar vom griechischen und lateinischem Geiste, haben in alle Zweige der Wissenschaft Licht und Ordnung gebracht. Mit der Abzweigung des Hauses Mechithars wurde auch die T\u00e4tigkeit abgezweigt: die Mechitharisten von Venedig setzten fort auf demselben Wege, die sch\u00f6ngeistige literarische T\u00e4tigkeit zu entfalten, und die Mechitharisten von Wien, durchdrungen vom Einflu\u00df der deutschen Atmosph\u00e4re, haben in die historischen, linguistischen, arch\u00e4ologischen Studien jene wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit gelegt, wie es ein europ\u00e4ischer Gelehrter tun w\u00fcrde. (Arschak Tschobanian, Portr\u00e4ts, 1924).<\/p>\n<p><strong>Jugenderziehung<\/strong><\/p>\n<p>Die Erziehung der Jugend ist eine der wichtigen Aufgaben der Mechitharisten. Die erste Schule ist bereits zu Lebzeiten Mechithars 1746 in Paschpalow (Siebenb\u00fcrgen) entstanden. In der Folge wurden 54 Mechitharisten-Schulen in verschiedenen L\u00e4ndern, f\u00fcr armenische Kinder, gegr\u00fcndet. Die Lebensdauer dieser Schulen hing selbstverst\u00e4ndlich immer vom Bestehen der jeweiligen armenischen Gemeinden ab. Die Mechitharisten-Schulen wurden immer und \u00fcberall hochgesch\u00e4tzt. Hier m\u00f6chten wir ein einziges Zitat anf\u00fchren. Der Stadtschulrat von Plovdiv (Bulgarien) bezeichnete (1932) die Mechitharisten-Schule als \u201eEinzig an Geist und Tiefe auf der Balkanhalbinsel&#8221;. Eine lange Reihe prominenter Intellektueller, die das geisti<!--test-->ge Leben des armenischen Volkes weltweit beeinflu\u00dften, gingen aus diesen Schulen hervor. Durch diese Schulen hat die Mechitharisten<!--test-->Congregation dem armenischen Volk und dem Orient auch deutsche, bzw. italienische Sprache und Kultur vermittelt.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich der Hundertjahrfeier der Mechitharisten-Schule in Istanbul (1925) bezeichnete deshalb Pr\u00e4lat Dr. Ignaz Seipl die Mechitharisten als \u201edie ersten Pioniere \u00f6sterreichischer Kultur im Orient\u201c.<\/p>\n<p>Neben Schult\u00e4tigkeit haben die Mechitharisten bereits in der ersten H\u00e4lfte des 19.Jhdts eine Reihe sehr gute, f\u00fcr damalige armenische Verh\u00e4ltnisse einzigartige Schulb\u00fccher, ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprachliche Erneuerung Anfang des 18. Jhdts. war die altarmenische Sprache, noch immer die alleinige Schriftsprache, nicht nur stark von fremden Sprachen beeinflu\u00dft, sondern auch durch den allgemeinen Bildungsverfall ganz entstellt worden. 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