Spiritualität der Mechitharisten






Die Mechitharisten-Congregation hatte im kulturellen Leben Wiens stets einen festen Standort. Sie ließ sich dort in Europa nieder, wo Armenier bereits Fuß gefaßt hatten. Diese waren in verschiedenen Städten Italiens und in Osteuropa verbreitet. MECHITHAR von Sebaste hat Ende des 17. Jhs. erstmals in der Geschichte Armeniens ein neues Kirchenverständnis eingeführt: Ritus und Eigenart der Nationalkirche wurden beibehalten, Religion und Staat aber getrennt. Er suchte Östliches und Westliches miteinander zu verbinden. Mit der Übernahme der Regel des hl. BENEDIKT wollte er das armenische Mönchtum nach abendländischem Muster reformieren. Er suchte eine Vertiefung des Glaubens und eine
Wiederbelebung der Kultur des armenischen Volkes. Dazu gehört die Pflege der Wissenschaften. Die Mönche sollten in den Niederlassungen und Schulen des Ordens das Ordensziel verwirklichen, aber auch immer wieder in das Mutterhaus zurück kehren. Hier waren nämlich die Hilfs mittel für das Studium gesammelt: Bibliothek und Archiv sowie Sammlungen von Realien des armenischen Lebens.

Die Wiener Mechitharisten erfreuten sich der besonderen Gunst des Kaiserhauses; sie trugen zur Verbreitung der deutschen Sprache und des Gedankenguts im Vorderen Orient erheblich bei. Nach dem I. Weltkrieg veränderte sich die Situation. Der Vielvölkerstaat Österreich war zerbrochen; der Genozid am armenischen Volk durch die Türken bedeutete auch das Ende eines regen Zuzugs aus dem westlichen Kleinasien. Es entstand die sozialistische Sowjetrepublik Armenien; siebzig Jahre kommunistische Herrschaft haben ihre Spuren hinterlassen. Die Armenier auf der Krim wurden 1945 nach Zentralasien zwangsumgesiedelt, die katholischen Armenier des Bistums Lemberg mußten sich in Polen niederlassen.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hat Österreich intensive wirtschaftliche Beziehungen zu den Staaten Osteuropas gepflegt. Da die Stadt große Mittel zur Verfügung stellt, erstrahlt auch Wien bald im Glanz des neuen Europas. Die alten Verbindungen zum Osten sind aber noch immer bewußt und bilden vielleicht den Grundstock für ein breites Geschichtsbewußtsein. Man denke an die großen Ausstellungen über Armenien in Krakau, Gherla, dem Armenopolis. Im kommenden Jahr werden die Armenier in der Ukraine, welche sich längst zu einer Gesellschaft formiert haben, einen Kongreß auf der Krim veranstalten. 2010 feiern die Mechitharisten das zweihundertjährige Bestehen in Wien. Solche Gedenktage werden besonders prunkvoll gefeiert.

(Helmut Buschhausen)