Der Gründer






Abt Mechithar von Sebaste (1676 – 1749) Mechithar von Sebaste ist der Ordensgründer der Mechitharisten-Congregation und zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten in der Literatur- und Kulturgeschichte der armenischen Nation. Am 7. Februar 1676 wurde er in Sebaste (dem heutigen Sivas) in Anatolien geboren und widmete sich frühzeitig dem Ordensleben. Im Jahre 1691 erhielt bereits der 15jährige Manuk die Diakonatsweihe im armenischen Kloster Surb Nschan (Heiliges Kreuz) und wählte sich nach seinem Urgroßvater den Namen Mechithar, was auf armenisch „Tröster“ bedeutet. Der junge Mönch strebte nach Heiligkeit, Bildung und Wissenschaft. Sein Fleiß und Zielstrebigkeit kannten keine Grenzen. Er unternahm in den folgenden Jahren recht beschwerliche Reisen nach Erzerum, Etschmiadzin, Sewan und Aleppo, suchend nach Möglichkeiten um eine gute Ausbildung. Er sammelte dabei viele neue Erfahrungen und Erkenntnisse .Nach der Rückkehr in seine Geburtsstadt, ging er wieder ins Kloster Surb Nschan, wo er sich dem Gebetsleben und dem Studium hingab. Auf allgemeinen Wunsch seiner Mitbrüder und Mitbürger wurde Mechithar am 17. Mai 1696 zum Priester geweiht. Trotz seines jugendlichen Alters war er genug reif und erfahren .Er hatte viele Pläne, große Ziele und den heißesten Wunsch, das Wort Gottes zu predigen, Missionstätigkeit zu entfalten und seine Landsleute im wahren christlichen Glauben zu erziehen. Mit der Zeit aber wurde es ihm bewusst und klar, dass er allein nicht imstande war, die Not des armenischen Volkes, das damals besonders unter politischen und sozialen Unterdrückungen litt, zu beheben. Er faßte den festen Entschluß, zur größten Ehre Gottes und zur Rettung seines Volkes, eine klösterliche Gemeinschaft nach europäischem Format zu gründen. Er wandte sich deshalb an armenische geistreiche Persönlichkeiten und bekannte Prediger, um sich zu sammeln und mit vereinten Kräften zu arbeiten. Da sein Vorschlag keinen großen Anklang fand, ging er selber ans Werk. Am 8. September 1701, am Feste Mariä Geburt, gründete Mechithar, im Alter von 25 Jahren, mit gleichgesinnten Schülern, die er zu Predigern ausgebildet hatte, seine Ordensgemeinschaft in Konstantinopel. In einer Ansprache erklärte er ihnen den Sinn und Zweck seines Vorhabens, nämlich durch Seelsorge und Jugenderziehung, durch Pflege der Wissenschaft der armenischen Literatur und Geschichte, ihrem Volke treu zu dienen .Anschließend weihte er sich mit seinen Mitbrüdern der Gottesmutter Maria, die zur Beschützerin der Kongregation erwählt wurde und deren Mitglieder sich von nun an „Adoptivsöhne der Jungfrau , Lehrer der Buße“ nannten. Mechithar war ein beliebter Prediger, ein großer Seelenführer, ein heiligmäßiger Mann mit außerordentlichen Eigenschaften und Fähigkeiten. Seine Gegner waren auf ihn neidisch und wurden zu wütenden Feinden. Die Verfolgungen entmutigten ihn nicht, aber sie zwangen ihn letzten Endes, im Jahre 17O3, eine Zufluchtsstätte außerhalb des Osmanischen Reiches zu suchen. In der Festungsstadt Methone, auf der griechischen Halbinsel Morea, im Nordwesten des Peloponnes, erbaute er auf dem Grund, den die venezianische Republik ihm zur Verfügung gestellt hatte, sein erstes Kloster. Im März 1708 fand auch die Grundsteinlegung für die dem hl. Antonius dem Einsiedler geweihte Kirche statt. Die Zahl der ,,Padri Armeni“ stieg inzwischen auf zwanzig und sie lebten wie bisher zusammen, nach den Regeln des hl.Antonius des Großen, ihres Schutzpatrons. Im Jahre 1711 entschied sich Mechithar mit seinen Mitbrüdern für die Annahme der Regeln des hl. Benedikt und erklärte den Vater des Abendlandes zum zweiten Schutzpatron des Ordens .Ein Jahr später wurde die armenische Kongregation vom Papst Klemens XI. in Rom approbiert und Mechithar offiziell zu ihrem ersten Abt ernannt. Nach dieser Bestätigung heißen die Mechitharisten zu Recht ,,armenische Benediktiner“. Neue Schwierigkeiten brachte das Jahr 1715 durch den Ausbruch des Krieges zwischen Venedig und dem Osmanischen Reich. Die Venezianer verloren den Peloponnes. Kloster und Kirche der armenischen Patres fielen diesem mörderischen Krieg zum Opfer. In Venedig, wohin Mechithar mit seinen Mitbrüdern wieder fliehen mußte, machte er einen neuen Anfang. Nach langen Verhandlungen gelang es ihm erst am 26. August 1717, durch den Beschluß des Senates, die unbewohnte Insel San Lazzaro als unentgeltliche Unterkunft zugesprochen zu bekommen. Der Einzug der Ordensleute in ihr neues Heim geschah am 8. September 1717, am 16.Jahrestag der Gründung der Kongregation. Nach den ersten Reparaturen der dort befindlichen Kirche und des Klosters mußte Mechithar im Jahre 1718 als Angeklagter in Rom erscheinen, um sich und seine Missionare, die als ungelehrt und unkatholisch verleumdet worden waren, zu verteidigen, was ihm auch mit Erfolg gelang. Nach seiner siegreichen Rückkehr widmete er sich der Gestaltung und dem Aufbau seines Ordens. Hier, auf San Lazzaro, entstand sein zweites Kloster und unter seiner weisen Führung begann die eigentliche Tätigkeit der Kongregation, die sich bald besonders auf dem Gebiet der Jugenderziehung segensreich entfaltete. Er verfaßte viele religiöse, theologische und sprachwissenschaftliche Schriften: vier Katechismen, unzählige geistliche Meditations-und Gebetsbücher, einen ausführlichen Kommentar zum Matthäusevangelium, Grammatiken der alt-und neuarmenischen Sprache und das erste armenische Wörterbuch ,,Bargirk Haykazian Lezwi“, ein kolossales Lebenswerk Mechithars und überhaupt das größte Werk des armenischen Schrifttums im 18. Jahrhundert. Mechithar war nicht nur als Schriftsteller und Übersetzer, sondern auch als Herausgeber unermüdlich tätig und fruchtbar. Er verfolgte sein Ziel konsequent, für die geistliche und geistige Erleuchtung seines armenischen Volkes zu arbeiten. Unter seinen 38 Veröffentlichungen bildet die prächtige, kunstvolle Bibelausgabe mit mehr als 1280 Seiten und 156 Bildern als sein typographisches Meisterwerk. Drei Jahrzehnte lang wirkte Mechithar in San Lazzaro als fürsorglicher Vater der Kongregation. Seine Verdienste als Theologe, Linguist, Philologe und Erzieher sind unschätzbar. Als er am 27. April 1749, im Alter von 74 Jahren starb, hinterließ er eine starke Klostergemeinschaft und eine angesehene Institution, die dank ihrer vielseitigen Tätigkeit dem armenischen Volk eine kulturelle und geistige Renaissance brachte. Abt Mechithar von Sebaste lebte nur für Gott und sein Volk. Sein Glaube und sein Willenseifer überwältigten alle Hindernisse im Leben. Seine Nächstenliebe gipfelte in heroischen Opfern und Taten. Der ehrwürdige Diener Gottes ist sicher ein Heiliger, obwohl er bis heute, nach fast 26O Jahren, noch immer offiziell nicht heiliggesprochen worden ist.