Silbergürtel






Sowohl vom völkerkundlichen Standpunkt, als auch von kunsthistorischer Warte aus beleuchtet, stellen Silbergürtel aus Armenien interessante Studienobjekte dar. Als unerläßlicher Bestandteil der Landestracht – sowohl der Alltagskleidung, vor allem aber auch als Ergänzung der Festtracht – nahm der Silbergürtel eine besondere Stellung ein. Seit jeher hatte man dem ‘Mondmetall’ magische Kräfte zugeschrieben: ein Gürtel aus Silber sollte vor bösen Augen, Unheil oder Krankheiten schützen.

Vielfach unterstrichen kultische Verzierungen oder Symbole wie Swastika, Zickzacklinien, Schlangenzeichen diesen Sinn. Unter den zoomorphen Motiven sprach man dem Adler die Fähigkeiten zu, Tapferkeit und Freiheit des Mannes zu fördern; von Fröschen nahm man an, daft sie schwangere Frauen und neugeborene Kinder schützen. Pflanzliche Darstellungen verkörperten häufig Fruchtbarkeitsgedanken. Generell war es Sitte, daß Frauen ihre Silbergürtel wie ein Amulett auf das Wochenbett hängten.

Verschiedene Charakteristika der überflächenbearbeitung regional unterschiedlicher Schulen weisen unverkennbare Eigenheiten der Ziertechniken auf. In Wan wurde häufig eine schwärzliche Legierung aus Silber, Blei, Kupfer, Schwefel und Salmiak in Vertiefungen eingelegt (Niello). Kunstvoll konnten auf diese Weise nicht nur Ornamente, sondern sogar kleine Darstellungen von Kirchen oder bedeutenden Städten des Landes entstehen.

Karin hingegen war bekannt wegen seiner prachtvollen Filigranarbeiten. Feine dünne, gekordelte oder gekörnte Silberdrähte lötete man in Ornamenten auf das Werkstück oder verarbeitete sie als lockeres Gitter. Auch bunte Halbedelsteine wurden eingesetzt, um die Wirkung des Gürtels zu erhöhen. In gleicher Weise entstanden prächtige Agraffen und Gewandspangen.

In Siunik erzeugten die Meister bevorzugt Treibarbeiten mit großen knopfartigen Aufsätzen. Die Gürtelglieder wurden eng nebeneinander gereiht. Seltener kam das Emaillieren zur Anwendung; dabei verteilte man zu Pulver gemahlenes Slas an den gewünschten Stellen auf dem Gürtel, das dann im Brennprozeß schmolz und verschiedene Farbwerte erbrachte.

Das Museum der Mechitaristen-Kongregation zeigt Gürtel und Schmuck aus Wan, Karin, Siunik, Achalzcha sowie Konstantinopel (19.Jh).

(Elisabeth Bauer)