In Wien






RIMG0084_pic[2]Die Mechitharisten In Wien (seit 1811)

Vor die Tatsache gestellt, einen neuen Aufenthaltsort zu finden, entschieden sich die nach Wien geflüchteten Mechitharisten-Patres, die Haupt- und Residenzstadt der Donaumonarchie zu ihrem neuen Heimatort zu machen, wobei ihnen diese Entscheidung durch die gute Beziehung zum Kaiserhaus sicherlich erleichtert wurde. Dieses Verhältnis beruhte im übrigen auf gegenseitigem Interesse. Abgesehen von ihrer kulturellen und geistigen Arbeit leisteten die Mechitharisten für die Monarchie und deren Ansehen im Ausland wesentliche Dienste. Durch die im Orient errichteten Schulen und ihre dortige Missionstätigkeit betrieben die armenischen Patres sozusagen Imagepflege für das Kaiserhaus, indem sie das kulturelle Erbe Österreichs in diese fernen Länder trugen und damit große kulturpolitische und völkerverbindende Leistungen vollbrachten.

Der nunmehr gänzlich mittellos dastehenden Kongregation wurde in Wien von vielen Seiten geholfen, wie etwa auch von der Wiener Bevölkerung, die den bei ihr beliebten „Padri Armeni“ mit Lebensmittelspenden über die ärgste Not hinweghalf. Als neues Zuhause wurde ihnen das ehemalige Kapuzinerkloster „Am Platzl“ in der Vorstadt St. Ulrich, das sich im heutigen 7. Wiener Gemeindebezirk befindet und auf dessen Platz auch das später neu erbaute Mechitharisten-Kloster steht, zur Verfügung gestellt. Mitte August 1811 befanden sich im Kloster 8 Patres, 2 Fratres und eine Klosterschwester.

Die für Triest vom Kaiserhaus verliehenen Privilegien wurden auch für Wien erneuert und bereits nach kurzer Zeit konnte die Druckerei wieder ihren Betrieb aufnehmen, da diese die damals einzige Existenz- und Lebensgrundlage für die Patres war. Freunde der Patres hatten einen Teil der Maschinen und Lettern aus Triest retten können, die nun die Basis für die Weiterarbeit der Druckerei in Wien bildeten. Im Juli 1812 verließ bereits das erste Druckwerk, ein in altarmenischer Sprache gedrucktes Buch, das als Dank für die Hilfestellung der Heiligen Jungfrau Maria geschrieben wurde und den Titel „Leben der Heiligen Jungfrau“ hatte, die Pressen.

Dem ersten Direktor der Mechitharisten-Buchdruckerei, P. Aristaces Azarian, gelang es, diese in relativ kurzer Zeit sowohl zu großem Ansehen als auch zu wirtschaftlichem Erfolg zu führen. Wie überhaupt der Einsatz und der Fleiß der Patres zu einer raschen Konsolidierung des Ordens führten. Bereits vier Jahre nach ihrer Ankunft in Wien wurde wieder eine dem Kloster angeschlossene Schule eröffnet und im Jahre 1814 kauften sie das bis dahin nur gemietete Klostergebäude und die angeschlossene Kirche. Neben ihren regelmäßig abgehaltenen Gottesdiensten in armenischer Sprache in der eigenen Klosterkirche halfen die Mechitharisten-Patres auch in zahlreichen anderen Wiener Pfarren aus. Unter großer Anteilnahme der Wiener Bevölkerung fanden jährlich drei Prozessionen – am Karfreitag, Karsamstag und zum Fest Mariä Geburt – statt.

Unter dem Nachfolger des ersten Wiener Generalabtes der Mechitharisten, dem Generalabt Azarian, begann für die Kongregation ein Goldenes Zeitalter; sowohl auf wissenschaftlichem Gebiet als auch in bezug auf die baulichen Aktivitäten. Letzteres betraf auch den Erwerb eines neuen Sommersitzes. Im Jahre 1820 hatten die Mechitharisten das Gut Zeilen bei Melk in Niederösterreich erworben. Wegen der – an damaligen Verkehrsverhältnissen gemessenen – großen Entfernung von Wien wurde dieser Besitz wieder veräußert und das näher gelegene ehemalige Franziskanerkloster in Klosterneuburg gekauft und als Sommersitz ausgebaut.

Aber auch das Mutterhaus in Wien musste nach einem Großbrand in der Vorstadt St. Ulrich im Jahre 1835 vollkommen neu aufgebaut werden. Die Pläne dazu stammten von dem Wiener Architekten Joseph Kornhäusel, dem Erbauer des Wiener Schotten-Stiftes, der zuvor auch die Kapelle des Sommersitzes in Klosterneuburg geplant hatte.