Smyrna (1846 – 1914)






Auf Bitten der armenisch-katholischen Bevölkerung hatten sich die Mechitharisten 1840 in Smyrna niedergelassen. 1845 wird ein Haus gekauft und als Kloster eingerichtet, und in einem Raum dieses Klosters beginnt der Schulunterricht. Parallel zu den Erweiterungen des Klosters wächst auch die Schule mit. Von Österreich kommen Subventionen wegen ihrer „österreichischen Kulturmission“: „…denn wo ein Wiener Mechitharist weilt, wird für den Kaiser gebetet [und] deutsch gesprochen…“
In den Jahren 1863- 1865 wurde die Schule wegen Personalmangels gesperrt , konnte aber nach Wiedereröffnung rasch ihrem Ruf als eine der besten der Gegend wieder gerecht werden.

Trotzdem wurde sie ein Opfer der Konkurrenz durch die unter französischer Patronanz reich subventionierte Schule der Lazaristen. Die Mechitharistenschule -ein im Vergleich ärmlich wirkendes altes Holzgebäude – wurde denn auch hauptsächlich von den ärmeren Schülern meist armenischer Nationalität besucht, deren Eltern vielfach das Schulgeld nicht zahlen konnten. Dies beschleunigte den finanziellen Niedergang, sodaß die Schule 1887 neulich gesperrt werden mußte.
1890 wurde mit einem neuen von dem französischen abweichenden -ihn vielmehr ergänzenden- Lehrplan, wieder begonnen. Der Schwerpunkt wurde auf die kommerzielle Richtung gelegt, etwa dem der Wiener Handelsakademien entsprechend. 1899 wurde sogar festgestellt, daß die Fortschritte der Schüler in manchen Zweigen der Wissenschaft die ihrer Kollegen aus der französischen Schule übertrafen.

Allen Bemühungen zum Trotz gab jedoch schließlich die finanzielle Seite den Ausschlag. Die Schülerzahl ging kontinuierlich zurück, und 1903 wurde auch die Subvention von Wien eingestellt, weil die Österreicher ihre Kinder nicht mehr dort einschreiben ließen.

So war die Schule in Smyrna stets ein Spielball der Politik. Ihr Gedeih und Verderb hing davon ab, welche Rolle sie in der Konkurrenz der europäischen Mächte spielte, welche auch die Vorherrschaft im Schulwesen anstrebten, um damit ihren Einfluß im Orient zu vergrößern.