Der Neubau des Kloster (Joseph Kornhäusel)






Baugeschichte (1836 und 1871)

Daß die Mechitharisten bereits 1832 an einen Neubau des Klosters dachten, ersieht man aus den Bemühungen der Familie Roesner. Carl Roesner hatte Pläne fürs Kloster gezeichnet und wollte auch die Pläne für eine Kirche entwerfen. Später wurden die Fassadenentwürfe Roesners dem Architekten Kornhäusel zur Ansicht übergeben. Dieser hatte bereits 1831 in Klosterneuburg das Sommerkloster mit Kirche für die Mechitharisten-Congregation gebaut und wurde nun auch der Architekt des Mutterhauses in Wien.

Nach dem großen Feuer in St. Ulrich am 11. März 1835 ließ Erzbischof Azarian das heutige Kloster erbauen, da eine Teilrenovierung nicht möglich war. Am 16. Jänner 1836 reichte der Generalabt die Pläne zur Baubewilligung für ein neues Kloster ein, und am 21. März konnte mit dem Bau begonnen werden. Der 1837 fertiggestellte Teil stand auf einer Fläche von 664 Klafter und hatte zwei Flügel mit drei Stockwerken.

Die Front geht auf der jetzigen „Mechitaristengasse“ mit einem Flügel hinein in den Garten, wo heute wie damals die Druckerei untergebracht ist.
Im Herbst 1838 konnten die Mechitharisten in ihr neues Kloster einziehen.

1871, unter Generalabt Erzbischof Bosagian, wurden ein weiterer Teil des Klosters und die Kirche gebaut, als in diesem Jahr der Gottesdienst in der Mechitharistenkirche wegen Baufälligkeit des Plafonds behördlich verboten worden war. Zu diesem Zweck wurde das benachbarte Gebäude gekauft abgetragen und stattdessen ein Klostertrakt im Garten mit einem Zinshaus – heute Mechitaristengasse 2 – gebaut. Um dem Bau ein einheitliches Aussehen zu geben, wurde das Zinshaus in der Fassadengliederung dem Kloster angeglichen, sodaß die ursprüngliche Klosterfassade von zweiundzwanzig Achsen auf siebenundzwanzig Achsen erweitert wurde.
Der Gebäudeteil rechts vom Haupteingang ab dem Stiegenhaus wurde für Zinshauszwecke adaptiert und dem neuen Zinshaus angeschlossen. Zinshaus und Quertrakt hinter der Kirche wurden 1873 fertiggestellt und einige Teile des Klosters gründlich renoviert. In dieser Form finden wir auch das Kloster der Mechitharisten heute. Die geplante, aber nicht ausgeführte Innendekoration der Kirche wurde unter Erzbischof Aydinian anläßlich des 200. Gründungsjubiläums der Kongregation nach den Renovierungsarbeiten des Jahres 1900 ergänzt und bis 1903 abgeschlossen. Nachdem Kloster und Kirche durch Bombenangriffe 1944 und 1945 beschädigt worden waren wurden nach Ende des Zweiten Weltkrieges unter Erzbischof Habozian weitere Renovierungsarbeiten durchgeführt, die aber das Gesamtaussehen des Gebäudes nicht veränderten. Es verschwanden lediglich die Decken- und Wandmalereien in der Kirche, bis auf das Fresko und die Heiligenbilder an den Seitenwänden.

Beschreibung

Der Eingang des Klosters befindet sich heute in der Mechitaristengasse und nicht wie noch beim Kapuzinerkloster neben der Kirche „Am Platzl“. Die ehemalige „Kleine Kapuzinergasse“ wurde 1843 nach dem Namen der Kongregation umbenannt, und im Zuge weiterer Umbenennungen seit 1862 wich auch die Bezeichnung „Am Platzl“ der verlängerten Neustiftgasse, wo sich heute nur der Eingang der Kirche befindet.

Das Kloster selbst besteht aus einem viergeschossigen Haupttrakt. Nimmt man die fünf Achsen des in die Klosterfassade eingegliederten Zinshauses dazu, erweitert sich die Fassade auf siebenundzwanzig Achsen und bildet ein architektonisches Ganzes. Es ist ein einfaches und schmuckloses Gebäude, gekennzeichnet durch „eine radikale Reduktion des Formenapparates und dessen Uniformierung“. Nur das Portal, eigentlich ein breites Rundbogentor aus Holz mit einfachen Pilastern auf beiden Seiten, fällt ins Auge. Das einzige Schmuckstück ist das Ordenswappen über dem Portal.

Über dem Erdgeschoß befinden sich noch drei Stockwerke, von denen die ersten beiden durch ein starkes Gurtgesims zusammengefaßt sind.

Die Klosteranlage besteht aus drei Flügeln, von denen zwei senkrecht zum Haupttrakt der Mechitaristengasse stehen und die gleiche Höhe aufweisen. In der Mitte befindet sich ein Hof, der mit einigen Bäumen und Blumen und einem Brunnen zu einem kleinen Garten umgestaltet worden ist. Im linken Trakt ist die Druckerei untergebracht, deren Eingang sich in der Mechitaristengasse befindet. Der rechte Flügel umfaßt die Abtei, die Bibliothek und das Museum, wobei sich die Bibliothek über zwei Geschosse erstreckt und völlig ungegliedert ist. Die Portierloge und das angrenzende Sprechzimmer befinden sich im Erdgeschoß des rechten Flügels und gehen auf den Garten hinaus. Der Haupttrakt ist den Klosterangehörigen vorbehalten. In dessen Erdgeschoß, parallel zur Mechitaristengasse mit Arkadenfenstern auf den Garten gehend, befindet sich das Refektorium mit seinem Tonnengewölbe und dem berühmten Gemälde von Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld.

Geht man durch das Portal ins Kloster, so kommt man in einen breiten, korridorähnlichen Raum oder Durchgang. Links führt er zum Refektorium im Haupttrakt, geradeaus kommt man in den Hof bzw. Klostergarten. Rechts befindet sich der Eingang ins Kloster. In das breite Stiegenhaus ist in neuester Zeit ein Aufzug eingebaut worden. Im Parterre beim Stiegenaufgang sind links und rechts Tafeln angebracht, die an die Grundsteinlegung erinnern. Die eine ist in lateinischer Sprache verfaßt und erzählt die Geschichte des Hauses in der Zeit der Kapuziener.

Die zweite Tafel ist in altarmenischer Sprache abgefaßt und überliefert die weitere Geschichte des Hauses unter den armenischen Mönchen, ihren Einzug am 18. Februar 1811, den Kauf des Hauses 1814, den Umbau im Jahre 1837 und schließlich die Errichtung der neuen Kirche 1874. Diese 1959 angebrachte Tafel schließt mit der Bitte, daß Gott die Wohltäter und die Kongregation beschützen möge.

Das Innere des Hauses ist ebenso schmucklos wie das Äußere. Zur Straßenseite hin dominiert im rechten Flügel das breite, einfache Stiegenhaus. Der parallel zur Straße liegende Haupttrakt gleicht sich in der Einfachheit der übrigen Gestaltung des Klosters an. Die nüchternen Korridore sind mit einem Tonnengewölbe überdacht und durch Gurte gegliedert. Die Sachlichkeit des Innenraumes wird nur durch überlebensgroße Gemälde der österreichischen Kaiser aufgelockert.